Transkriptionsregeln

Dresing, Thorsten/Pehl, Thorsten:
Praxisbuch Interview, Transkription &
Analyse. Anleitungen und Regelsysteme für qualitativ Forschende. Auflage. Marburg, 2018.

Das Regelsystem besteht aus drei Teilen:

  1. Inhaltlich-semantische Transkription
  2. Erweiterte inhaltlich-semantische Transkription
  3. Hinweise zur einheitlichen Schreibweise

Inhaltlich-semantische Transkription

Es wird wörtlich transkribiert, also nicht lautsprachlich oder zusammenfassend.

  1. Wortverschleifungen werden an das Schriftdeutsch angenähert. „So
    ‘n Buch“ wird zu „so ein Buch“ und „hamma“ wird zu „haben wir“.
    Die Satzform wird beibehalten, auch wenn sie syntaktische Fehler
    beinhaltet, z.B.: „Bin ich nach Kaufhaus gegangen.“
  2. Dialekte werden möglichst wortgenau ins Hochdeutsche übersetzt.
    Wenn keine eindeutige Übersetzung möglich ist, wird der Dialekt beibehalten, z.B.: „Ich gehe heuer auf das Oktoberfest“.
  3. Umgangssprachliche Partikeln wie „gell, gelle, ne“ werden transkribiert.
  4. Stottern wird geglättet bzw. ausgelassen, abgebrochene Wörter
    werden ignoriert. Wortdoppelungen werden nur erfasst, wenn sie
    als Stilmittel zur Betonung genutzt werden: „Das ist mir sehr, sehr
    wichtig.“
  5. Halbsätze, denen die Vollendung fehlt, werden mit dem Abbruchzeichen „/“ gekennzeichnet.
  6. Interpunktion wird zugunsten der Lesbarkeit geglättet, das heißt, bei
    kurzem Senken der Stimme oder nicht eindeutiger Betonung wird eher
    ein Punkt als ein Komma gesetzt. Sinneinheiten sollten beibehalten
    werden.
  7. Rezeptionssignale wie „hm, aha, ja, genau“, die den Redefluss der
    anderen Person nicht unterbrechen, werden nicht transkribiert. Sie
    werden dann transkribiert, wenn sie als direkte Antwort auf eine Frage
    genannt werden.
  8. Pausen ab ca. 3 Sekunden werden durch ( …) markiert.
  9. Besonders betonte Wörter oder Äußerungen werden durch VERSALIEN
    gekennzeichnet.
  10. Jeder Sprecherbeitrag erhält eigene Absätze. Zwischen den Sprechern
    gibt es eine freie, leere Zeile. Auch kurze Einwürfe werden in einem
    separaten Absatz transkribiert. Mindestens am Ende eines Absatzes
    werden Zeitmarken eingefügt.
  11. Emotionale nonverbale Äußerungen der befragten Person und des
    Interviewers, welche die Aussage unterstützen oder verdeutlichen (wie
    lachen oder seufzen), werden beim Einsatz in Klammern notiert.
  12. Unverständliche Wörter werden mit „(unv.)“ gekennzeichnet. Längere
    unverständliche Passagen werden möglichst mit der Ursache
    versehen: „(unv., Mikrofon rauscht)“. Vermutet man einen Wortlaut,
    wird die Passage mit einem Fragezeichen in Klammern gesetzt, z.B.
    „(Axt?)“. Unverständliche Stellen werden mit einer Zeitmarke versehen,
    wenn innerhalb von einer Minute keine weitere Zeitmarke gesetzt ist.
  13. Die interviewende Person wird durch ein „I:“, die befragte Person
    durch ein „B:“ gekennzeichnet. Bei mehreren Interviewpartnern
    (z.B. Gruppendiskussion) wird dem Kürzel „B“ eine entsprechende
    Kennnummer oder ein Name zugeordnet („B1:“, „Peter:“).
  14. Das Transkript wird als Rich Text Format (RTF-Datei) gespeichert. Die
    Benennung der Datei erfolgt entsprechend dem Mediendateinamen
    (ohne Endung wav, mp3), beispielsweise: Interview_04022011.rtf oder
    Interview_schmitt.rtf.

Wenn Sie auch Zögern, Wortfindungshemmungen und gleichzeitige Rede
erfassen
möchten, können Sie mit den folgenden Ergänzungen eine entsprechende Vertiefung der Darstellung erreichen.

Erweiterte inhaltlich-semantische Transkription

  1. Wort- und Satzabbrüche werden mit „/“ markiert: „Ich habe mir aber
    Sor/ Gedanken gemacht.“ Wortdoppelungen werden immer notiert.
  2. Pausen werden je nach Länge durch Auslassungspunkte in Klammern
    markiert. Hierbei steht „(.)“ für circa eine Sekunde, „(..)“ für circa zwei
    Sekunden, „(…)“ für circa drei Sekunden und „(Zahl)“ für mehr als drei
    Sekunden.
  3. Rezeptionssignale und Fülllaute aller Personen („hm, ja, aha, ähm“
    etc.) werden transkribiert. Ausnahme: Backchanneling der interviewenden Person, während eine andere Person spricht, wird nicht
    transkribiert, solange der Redefluss dadurch nicht unterbrochen wird.
  4. Nach der Partikel „hm“ wird eine Beschreibung der Betonung in
    Klammern festgehalten. Zu nutzen sind: bejahend, verneinend,
    nachdenkend, fragend, wohlfühlend, z.B. „hm (bejahend)“.
  5. Sprecherüberlappungen werden mit „//“ gekennzeichnet. Bei Beginn
    des Einwurfes folgt ein „//“. Der Text, der gleichzeitig gesprochen
    wird, liegt dann innerhalb dieser „//“ und der Einwurf der anderen
    Person steht in einer separaten Zeile und ist ebenfalls mit „//“ gekennzeichnet.
  6. Mehrere Fülllaute hintereinander werden ohne Satzzeichen dazwischen getippt (z.B. „ähm ähm ähm also da sind wir …“).

Hinweise zur einheitlichen Schreibweise

Diese Punkte betreffen eher die Schreibweise und helfen, bei mehreren
Transkribierenden einen einheitlichen Stil zu erhalten.

  1. Die Partikeln „hm“ werden unabhängig von der Betonung immer „hm“
    geschrieben (nicht: „hhhhm“, „mhm“, „hmh“).
  2. Zögerungslaute werden immer „ähm“ geschrieben (nicht: „äm“, „ehm“,
    „öhm“).
  3. (Maß-)Einheiten werden ausgeschrieben, z.B. Euro, Prozent, Meter.
  4. Gesprochene Zeichen werden ausgeschrieben, z.B. „ät“, „Paragraf“.
  5. Abkürzungen werden nur getippt, wenn sie explizit so gesprochen wurden
    („etc.“ wird nur getippt bei gesprochenem „e te ce“).
  6. Wird in der Aufnahme wörtliche Rede zitiert, wird das Zitat in Anführungszeichen gesetzt: „Und ich sagte dann ‚Na, dann schauen wir mal‘“.
  7. Wortverkürzungen wie „runtergehen“ statt „heruntergehen“ oder „mal“
    statt „einmal“ werden genauso geschrieben, wie sie gesprochen werden.
  8. Englische Begriffe werden nach deutschen Rechtschreibregeln in Großund Kleinschreibung behandelt.
  9. Personalpronomen der zweiten Person (du und ihr) werden kleingeschrieben, die Personalpronomen der Höflichkeitsform (Sie und Ihnen)
    werden großgeschrieben.
  10. Auch Redewendungen/Idiome werden wörtlich wiedergegeben, z.B.
    „übers Ohr hauen“ (statt: über das Ohr hauen).
  11. Einzelbuchstaben werden immer großgeschrieben, z.B. „wie Vogel mit V“.
  12. Werden Aufzählungen mit Buchstaben gesprochen, wird ein großer
    Buchstabe ohne Klammer geschrieben, z.B. „und wir haben A keine Zeit
    und B kein Geld.“
  13. Zahlen werden wie folgt dargestellt:
    a. Zahlen null bis zwölf im Fließtext als Wörter, größere in Ziffern.
    b. Auch weitere Zahlen mit kurzen Namen schreibt man aus, vor allem
    runde: zwanzig, hundert, dreitausend.
    c. Dezimalzahlen und mathematische Gleichungen sind stets in Ziffern
    zu schreiben. Also: „4 + 5 = 9“ und „3,5“.
    d. Bei nur ungefähr gemeinten Zahlenangaben schreibt man den
    Zahlennamen, bei exakt gemeinten die Ziffernform. Also: „Die fünfzig
    Millionen Euro Staatshilfe“.
    e. Wo feste Konventionen zugunsten einer Schreibweise herrschen,
    befolgt man diese. Hausnummern, Seitenzahlen, Telefonnummern,
    Kontonummern, Datum oder Ähnliches werden nie ausgeschrieben.
    Also: „auf Seite 11“ und „Am Markt 3“.
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